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Westlich der Riviera - die Provence
Nach Überzeugung von einigen Reiseführern beginnt die Côte d'Azur ja schon nach den letzten Stränden von Marseille. Bei einer genaueren Betrachtung kommen die Calanques zwischen Cassis und Bandol kaum zum Prädikat Azur wenn auch das Wasser oft fantastische Farben hat. In Bandol ergibt sich schon eher das Côte Feeling, aber streng genommen sind hier die Cotes de Provence - nicht mit den gleichnamigen Weinen zu verwechseln. So geht es denn erst östlich von Toulon mit Azur zur Sache, das Shopping-Center bei Hyères heißt dem entsprechend Centr'Azur!
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Wir kamen von Norden und hatten uns im Rhonetal verfahren, waren in der viel gepriesenen Carmargue im idyllischen Betonreservat La Grande Motte gelandet. Der Beton aus den frühen 70ern bröckelt schon gut, bald hat der Spuk ein Ende wegen Einsturzgefahr. Es gibt zwar Sandstrand, aber mit Wasser von zweifelhafter Qualität und Sumpf als Hinterland fahren wir rasch weiter! Neben der in die Provence führende Landstraße lockt eine alte Stadtmauer: Les Aigues Mortes - verfaultes Wasser, sinngemäß - bieten ein wenig Kreuzfahrer- und Mittelalterromantik. Etwas abseits der Haupttouristenstraße finden sich zu unser Überraschung gute Restaurants, und so ganz ist die alte Stadt noch nicht den Touristen übergeben. Der Zug von Arles nach St Marie de la Mer hält hier, also durchaus einen Abstecher wert auch für Interrailer und sonstige Bahnfahrer.
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Ein Reiseführer der 50er Jahre schreibt: Man kann an einem Wintertag, fröstelnd in den Mantel gehüllt, den Zug nach dem Süden besteigen und schon am nächsten Morgen im herrlichsten, üppigsten Frühling erwachen. Der Zug hat Marseille schon hinter sich gelassen, und nun gehen einem die Augen wirklich über angesichts dieser freundlichen, heiteren Hafenorte, die da so friedlich an den Buchten des Mittelmeeres liegen: Cassis, La Ciotat, Bandol, Sanary - überall eine Harmonie zarter, gedämpfter Farben mit dem kobaltblauen Wasser, aus dem die sonderbar geformten grauen Felsen Les Calanques steil aufragen.
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Und in der Tat, im 21sten Jahrhundert hat diese Küste weiterhin ihre Reize: Das ehemals unscheinbare Six-Fours ist in den letzten Jahren zu einer interessanten Alternative zum überlaufenen Bandol geworden, hier gibt es California Lifestyle während Bandol und Sanary eher typisch provencalisch ans Meer gebaut sind.
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Toulon hat seit neuestem einen Tunnel - wir haben ihn aber im Gewirr der Innenstadt nicht gefunden - um die Stadt ohne viel Aufhebens zu durchqueren. Denn eine halbe Stunde weiter lockt Hyeres-les-Palmiers, so heißt der Ort nun wirklich, mit großartigen Palmenallen und Belle Epoque Gebäuden aus besseren Zeiten.
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Hyeres hat sich nach 100 Jahren Dornröschenschlaf wieder herausgeputzt und erwartet Gäste in allen Lebenslagen. Ob arm oder reich, schwarz oder weiß, die Stadt gibt sich gastlich und hat einige Reize, vor allem die vielen Straßenzüge aus dem späten 19ten Jahrhundert. Natürlich gibt es auch eine provencalisch geprägte Altstadt, wie man sie aber immer irgendwo zwischen Nimes und Cannes finden kann. Zwischen Casino und der Altstadt erstrecken sich Villen und Palmenalleen aus der Belle Epoque, als Hyeres ein beliebter Winterkurort war.
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Von Hyeres geht es auf der Landstraße (RN98) weiter an die westliche Cote d' Azur, es locken Schilder mit St Tropez par la Cote, aber es schlängelt sich die Küstenstraße langsam durch Le Lavandou, Cavalière und Cavalaire, zwischen Juni und September ist kaum ein Parkplatz an den engen Stränden zu ergattern. Wir kommen nur in den Monaten Oktober-März an diese Küste und an sonnigen Wochenenden ist auch dann kaum ein Durchkommen.
Na, ja, auf der nächsten Seite können wir unseren Weg an der westlichen Riviera fortsetzen.
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